2015.07.09-2015.07.11 Deutschland

Ach Deutschland. Deutschland ist ein bisschen wie eine unerwiderte Liebe für mich: ich finds toll hier. Aber die Deutschen scheinen Mühe mit mir zu haben. Irgendwie habe ich noch nicht heraus gefunden wie man die anpacken muss. Am Anfang der Reise fand ich das noch amüsant, aber wie schon geschrieben: der Weitgereiste ist verwöhnt und jetzt nervt es mich. Zum Beispiel wollte ich unbedingt die unter Kletterer berühmt-berüchtigten Elbsandsteinfellsen in der Sächsischen Schweiz anschauen gehen. Bei der imposanten Festung Königstein gibt es eine Touriinfo. Ich wie immer ohne jeden Plan rein:

  • Kann ich ihnen helfen?
  • Ja guten Tag, ich würde gerne wandern gehen. Haben sie eine Wanderkarte?
  • Uhhh, wir haben ganz viele Wanderkarten. Dort, und dort, und dort. 30000er, 60000er, 25000er.

Irgendwie kann ich mir nicht helfen und muss in den Klugscheissermodus wechseln:

  • Ich möchte die mit der schönsten Wanderung.
  • Ohhh, die sind alle wunderschön.
  • Ok, ich möchte die schönste die ich an einem Tag machen kann.
  • Ein Tag?!? Das geht nicht! An einem Tag können Sie sich die Festung anschauen, mehr nicht.

Der junge Deutsche der hinter mir in der Schlange steht weiss zum Glück wie es richtig gemacht wird:

  • ICH WILL DEN ELBSANDSTEIN SEHEN!

platzt es aus ihm heraus.

  • Ah, dann fahren sie am besten runter nach Rahten und nehmen die Fähre über die Elbe. Dort gibt es tolle Rundwanderwege verschiedener Länge. Das können sie gut an einem Tag machen.

Echt jetzt?! Wieso? Ich weiss bis heute nicht was ich falsch gemacht habe.

Anyway, ich besichtige dann also die Festung UND mache eine Rundwanderung, alles in einem halben Tag, easy.

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Aber vorher war ich ja noch eine Nacht in Dresden. Die Altstadt von Dresden ist gewaltig: ein Barockfeuerwerk am andern, perfekt restauriert und komplett zu Tode aufgewertet.

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Mein Hostel befindet sich zum Glück in der Äusseren Neustadt, dem Szeneviertel schlechthin. Hier gefällt es mir. Ich komme aus dem Staunen über die vielen coolen Bars, Restaurants, Cafés, Biergärten und Leute gar nicht mehr raus. Hier hat sich noch kein Immobilienspekulant verwirklicht. Interessant ist, dass in Sachsen eine regelrechte Landflucht im gange ist: wer nicht alt oder Neonazi ist zieht nach Dresden oder Leipzig, die einzigen Kreise mit Bevölkerungswachstum. Entsprechend jung und alternative geht es hier zu: nur nicht so sein wie die vom Land, nur nicht PEGIDA.

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Ich glaube auch das Viertel hat die höchste Dichte von Campervans der Welt, ich hab noch nie so viele T3 gesehen…

Nun, man muss fairerweise anmerken, dass die ganze Hippiekacke auch Probleme mit sich bringt:

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Und dann sehe ich SIE, die Liebe meines Lebens, Isabella:

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Was für ein geiler Vorbau! So einen will ich auch.

Von der Sächsischen Schweiz fahre ich dann weiter Richtung Regensburg. Der schnellste Weg führt eigentlich zurück über Dresden, aber mir graut vor den deutschen Autobahnen und so fahre ich den direkten Weg über Tschechien. Irgendwann gegen 6 Uhr fahre ich durch ein wunderbares Flusstal. Ich entscheide spontan hier die Nacht zu verbringen. +1 Land.

Am nächsten morgen fahre ich nach Regensburg wo ich a zümpftige Brotzeit zu mir nehme. Das letzte UNESCO Weltkulturerbe auf dieser Reise, denn es ist nun definitiv Zeit heimzukehren. Schön wars, aber am schönsten ist es ja bekanntlich zuhause:

Naja, inzwischen lebt er nicht mehr hier:-)

Ich bedanke mich bei allen die diese Reise möglich gemacht haben: Bei meinem treuen Begleiter Quitschi, meinem (fast) unfehlbaren Beifahrer dem Garmin Navi, das beweist, dass IT auch einfach funktionieren kann, bei meiner Familie, bei Till, bei Mäge, bei Herrn Resegatti, der nicht zuviel versprochen hat, bei allen Litauern, weil sie mich nicht ausgeraubt haben, bei allen lieben Menschen deren Wege ich kreuzen durfte  und bei allen meinen treuen Lesern.

Danke!

Hier noch eine Karte mit der ganzen Reise, knapp 8000 Kilometer:

2015.07.05 – 2015.07.08 Polen

Als ich auf meinem Weg Richtung Warschau an einer Tankstelle halte spricht mich ein junger Mann an. Ob ich nach Warschau fahre? Er sei Hochzeitssänger und auf dem Rückweg von einer Hochzeit hat der Wagen seiner Band in der unbarmherzigen Hitze den Geist aufgegeben. Klar sag ich. Michal spricht gut Englisch und so unterhalten wir uns die 2 Stunden bis Warschau. Ob es ihm gefällt in Polen zu leben? Well, you know, it depends. Seine Familie lebt hier und die will er nicht missen. Aber viele Leute in seinem Alter gehen in den Westen, vorzugsweise nach England. Ich glaube er findet das nicht gut, er vermisst seine Freunde. Die Engländer findens bekanntlich, wie die Schweizer, auch nicht so toll. Die Polen sind jung, gut ausgebildet, genügsam und haben keine Angst vor harter Arbeit. Dafür verdienen sie dann auch das vier- bis fünffache als in Polen. Die Verlockung ist riesig. Ein Problem nicht nur für Polen. Alle baltischen Staaten leiden unter einem regelrechten brain drain. Die Bevölkerung von Litauen ist in den letzten 15 Jahren um 10% geschrumpft. Ich war selber Zeuge einer Abschiedsparty in Vilnius: “I’m very happy to leave this country” hat er in seiner Rede gesagt.

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Zum Abschied meint Michal dann noch: You know, I used to be quite famous in Poland, people recognised me on the streets.

Er hat es ins viertel Final von Voice of Poland geschafft. Verrückte Welt.

In Warschau übernachte ich eine Nacht im Okey Dokey Hostel. Es ist aber viel zu heiss am Nachmittag um die Stadt anschauen zu gehen. 35 Grad am Schatten, mindestens. Richtige Hundstage:

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Michal meinte ich soll das Stadion anschauen und ich hoffe, dass es dort etwas kühler ist. Das Stadion, das grösste in Polen, ist dann tatsächliche ziemlich beindruckend. Ich mache sogar die Stadiontour mit, in Polnisch:-)

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Gegen Abend wird es dann erträglich und ich kann mir die sehr schöne Stadt anschauen und natürlich die Palme. Die einzige in Warschau wie Michal mir, nicht ohne Stolz, erklärt.

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Da es zu heiss ist beschliesse ich an einen kleinen Stausee zu fahren den ich, etwa auf halbem Weg nach Wroclaw, auf der Karte entdeckt habe. Dort verbringe ich einen Tag im Schatten liegend mit nichts tuen bis ein gewaltiges Gewitter in der Nacht die Hitzewelle beendet. Es hat sich angefühlt wie ein Wirbelsturm und ich hatte echt Angst, dass ein Baum umstürzt und mich begräbt.

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Am Morgen fahre ich dann bis Wroclaw das tatsächlich sehr schön ist. Der originale Name Breslau verrät, dass das hier nicht schon immer zu Polen gehörte. 1945 lebten hier 190000 Deutsche, heute sind es noch 1000.

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2015.06.29 – 2015.07.04 Litauen

Das ist jetzt das achte Land innerhalb eines Monats welches ich besuche. Ein Australier, dem ich mal vorgeschwärmt habe wie toll sein Land sei, erklärte mir, in Australien zu leben sei scheisse, man kann ja nirgends hin. Wir Schweizer hingegen würden mitten in Europa leben und können dutzende Kulturen besuchen, mit dem Auto! Zum einen hat er recht: Europa ist fantastisch! In einem Monat musste ich nicht ein mal meinen Pass zeigen und ich habe nie eine “richtige” Grenze passieren müssen. Europa ist heute eine grosse Familie, dank der EU. Zum anderen hatte er nicht recht: Das geographische Zentrum Europas liegt in Litauen, fast 2000 km östlich der Schweiz. Wer hätte es gedacht? Evt. war Bushs Blickwinkel auf Europa doch nicht so falsch.

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In Litauen gibt es aber nicht nur das Zentrum Europas zu sehen (welches ich mir ehrlich gesagt gar nicht angeschaut habe). Beeindruckend ist zum Beispiel der Berg der Kreuze. 100’000e von Kreuze sind hier aufgestellt worden. Unter anderem als friedlicher Protest gegen die Sovietbesatzung. Die Soviets haben dann auch drei mal den Hügel plattgewalzt.

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Zwei Nächte verbringe ich im Labanoro Nationalpark, der grösste Nationalpark in Litauen. Und wirklich sehr schön. Aber der Weiterreiste ist verwöhnt: Natürlich kann es nicht mit Schweden mithalten. Und mit Schweden meine ich etwa jeder beliebige Tümpel dort. Ich finde einen ganz wunderbaren Camping, wild aber nicht illegal. Um ca 11 Uhr abends taucht die Dorfjugend auf. Der König von ihnen hat sich eine 120 Watt Anlage in seinen Seat Leon einbauen lassen. Leute die so etwas machen haben selten einen guten Musikgeschmack… Ich sehne mich zurück nach der schwedischen Zurückhaltung und der Einsamkeit. Nun, der Park liegt nur knapp 80 Km von der Hauptstadt entfernt und am Wochenende strömen angeblich die Leute hier hoch und machen Party. Der ganze Platz, jetzt noch fast unbesetzt (abgesehen von den Quotendeutschen), ist komplett reserviert fürs Wochenende. Ich gehe ein bisschen Wandern und schaue mir so fantastische Dinge wie das Honigbienenzuchtmuseum an.

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Ich will aber Donnerstag/Freitag nach Vilnius. Die Stadt wurde mir wärmsten empfohlen von den zwei Weissrussen die Marc und ich in Riga kennengelernt haben. Eigentlich mag ich Städte nicht mehr so. Für mich sind die alle irgendwie gleich. Was sicherlich an meiner mangelhaften Kenntnis von Geschichte und Architektur liegt. Aber Vilnius ist nett (Weltkulturerbe, alles!!). Und es ist endlich Sommer. Angenehme 25 Grad:-P Ich checke ein im Hostel Jamaika. 2 Nächte im 10er Schlag kosten 12 Euro. Der Parkplatz für Quitschi kostet im gleichen Zeitraum 24 Euro. Als ich das Bett sehe beschleicht mich das Gefühl, dass Quitschi auch besser schlafen wird (note to self: I’m an old men).20150702_667

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Das schönste in Vilnius fand ich die freie Republik Uzupis. Ein Stadtteil der sich Unabhängig erklärt hat, mit eigener Verfassung. Natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber trotzdem ein klares Statement gegen die fortschreitende Kommerzialisierung und Gentrifizierung des Stadtzentrums (die natürlich auch hier unaufhaltsam ist).wpid-wp-1435867821290.jpeg

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Am Samstag fahre ich dann bis Polen weiter. Ein kleiner Umweg bringt mich an einer bekannten Wasserburg vorbei und am Sovietdenkmalmuseum in Druskininkai. Jemand hat die Statuen die nach der Wende abgebaut wurden gesammelt und in einem Park aufgestellt. Ich bin mässig Beeindruckt.

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Inzwischen ist es auch hier unangenehm heiss und als ich aus Druskininkai herausfahre traue ich meinen Augen kaum:

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Es ist wunderbare minus 5 Grad auf der 450 Meter langen Piste. Ich bin schwer beeindruckt. Von der Piste aber auch von Litauen. Und ich wurde nicht ein einziges mal ausgeraubt! Unglaublich!!!

2015.06.25 – 2015.06.28 Lettland

Die Balten haben es angeblich nicht gerne wenn man sie in einen Topf wirft. In der Tat sind die 3 baltischen Staaten, Estland, Lettland und Litauen sehr unterschiedlich in Kultur und Sprache. Das Estnische ist eng mit dem Finnischen verwant, tatsächlich versteht man sich untereinander ganz gut. Lettisch und Litauisch hingegen sind eng verwante indogermanische Sprachen. Trotzdem, alle 3 Länder verbindet ihre jüngere Geschichte: im 2 Weltkrieg wurden sie erst von den Soviets, dann von den Nazis, dann wider von den Soviets besetzt, um dann endlich in den frühen 90ern unabhängige Staaten zu werden. Heute sind alle 3 Mitglieder der EU, von Schengen und haben den Euro eingeführt. Sowohl die Nazis wie auch die Soviets haben grausam gewütet, wobei die Nazis natürlich noch einen drauf gesetzt haben: nach der vermeintlichen Befreiung haben sie in Lettland 30000 Menschen, vorwiegend Juden, erschossen, 12000 innerhalb von wenigen Stunden! In Litauen haben sie unvorstellbare 190000 Juden umgebracht. Die Soviets waren zum Glück weit weniger effizient. Aber auch sie haben 10000e von Menschen zwangsumgesiedelt, enteignet, eingesperrt und umgebracht. Entsprechend unbeliebt sind hier die Russen und Putins Politik. Ein Problem, denn in Lettland zum Beispiel sind etwa 25% der Bevölkerung Russen, ein Resultat der sovietischen Russifizierungspolitik. Wenn man sich gerne unbeliebt macht, kann man hier jeden problemlos auf Russisch ansprechen. Kak dila.

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Mein Eindruck ist, dass die Esten total entspannt sind, ihre Vergangenheit abgehackt haben und nach vorne schauen. Mit einem Einkommen, zumindest in Tallinn, das über dem europäischen Durchschnitt liegt und mit der tiefsten Verschuldung aller EU Länder haben sie auch guten Grund für Optimismus. Die Letten hingegen sind weit weniger zugänglich und hadern mit ihrer Vergangenheit.

Riga ist die grösste Stadt im Baltikum, Tallinn wirkt dagegen winzig. Wirklich sehenswert in Riga ist aber eigentlich nur die Altstadt und ihre nähere Umgebung. Der Rest besteht aus Plattenbauten. Riga macht einen geschäftigen, um nicht zu sagen gestressten, Eindruck. Wir besuchen die Altstadt, den Markt, welcher sich in 4 ehemaligen Zeppelinhangaren befindet, und machen wider eine Stadtrundfahrt. Riga überzeugt mich nicht so, es gibt sicher lohnenswertere Ziele in Europa. Trotzdem lohnt es sich mal hier hoch zu kommen: in unseren Köpfen ist noch immer der Ostblock verankert, mit Pferdegespannen, Kopftuch tragenden Frauen und korrupten Beamte. Nichts könnte weiter weg von der Realität sein.

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Am Freitag verlässt mich Marc leider schon wider und ich bin wider alleine. Ich habe genug von den Städten. Da er aber erst am späten Nachmittag fliegt, komme ich nicht mehr weit. Ich fahre ins nahgelegene Jürmala, sozusagen der Stadtstrand von Riga, und Ort sagenumwobener Parties mit russischen oil tycoons und ihren tropy wifes.

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Seit der Rubel abgestürzt ist und seit die Russen ein Schengenvisa brauchen ist die Party aber leider vorbei. Symbolisch dafür steht mein Campingplatz. Direkt unter der halb zerfallenen Ruine eines ehemaligen sovietischen Luxushotels verbringe ich 3 Nächte und übe mich in Strandferien. Dieser lange Text ist Zeuge meiner Langeweile. Gott, ich habe sogar ein Buch gelesen!

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Morgen geht es weiter in das Land der Diebe: Litauen.

2015.06.20 – 2015.06.24 Estland

Mein Vorurteil bezüglich dem Baltikum ist, dass es hier von wunderschönen jungen Frauen wimmelt.

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An Marcs Grinsen kann man erkennen: im Gegensatz zu meinen Vorurteilen gegenüber den Finnen, sind die baltischen tatsächlich Wahr. Ich habe noch nirgends so viele schöne, gut gekleidete, entspannte Frauen gesehen wie in Tallinn und sie scheinen gerne Rudel zu bilden. Nachdem ich jetzt 2 Wochen im Wald gelebt habe ist das ein bisschen viel für mich…

Die Altstadt von Tallinn (alles UNESCO Weltkulturerbe!!) ist winzig, man kann so ziemlich jede Gasse innerhalb von 2 Stunden ablaufen. Da es auch eine der schönsten ist in Europa besuchen Tallinn jährlich 1.5 millionen Touristen. Man kann sich also vorstellen was in der Altstadt los ist.

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Trotzdem gefällt uns Tallinn sehr gut. Touristen werden hier wie Gäste behandelt und nicht wie Milchkühe. Wir Essen in den besten Restaurants zu bezahlbaren Preisen. Das Essen ist gut, das (meist weibliche) Servicepersonal spitze.

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Besonders hervorheben möchten wir Rateskaevu 16, laut Tripadvisor das beste Restaurant in Tallinn und das zurecht. Das Essen ist gut, unsere Servicekraft, Kristi, ist umwerfend. Sie gibt alles um selbst Mister Grummel himself ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, mit Erfolg. Sie verkauft sich und das Restaurant sehr gut. Jeder Zürcher Gastronom müsste mal Zwangsurlaub hier oben machen um zu sehen wie es richtig gemacht wird. Natürlich ist uns klar, dass all die Schmeicheleien und das Geflirte eine Trinkgeldfördernde Massnahme ist, trotzdem: Hier läuft jeder Gast mit einem Lächeln raus.

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Neben dem Gefühl die besten Gäste aller Zeiten zu sein, gibt uns Kristi auch noch ein Tip wo wir das Mittsommerfest feiern könnten. Pühajärve jaanituli ist das grösste Mittsommerfestival in Estland. Und da es südlich liegt, mehr oder weniger auf unserem Weg nach Riga, entscheiden wir uns dorthin zu fahren.

Vorher haben wir aber natürlich noch unsere Toursitenpflicht erfüllt und ein bisschen Tallinn und Umgebung angeschaut. Am ersten Tag machen wir eine Hopp-on Hopp-off Bustour.

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Das ist übrigens das Stadium in dem alle 5 Jahre das estnische Gesangsfestival stattfindet. Aus allen Landesteilen kommen dann die Chöre um hier zu singen. 200’000 Menschen. Die Architektur ist der Hammer.

Am Tag 2 fahren wir in den Lahemaa Nationalpark um ein bisschen zu spazieren, denn Tallinn hat man doch sehr schnell gesehen.

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Mehr Wälder, yeah! Als wir uns auf den Weg nach Pühajärve Richtung Süden machen passieren wir irgendwann eine unsichtbare Grenze und die Vegetation ändert drastisch. Der unendliche karge nordische Nadelwald wird durch Laubbäume und fruchtbare Landwirtschaftsflächen ersetzt. Ich glaube ich habe es geschafft und die Wälder hinter mir gelassen!

Der Kontrast zwischen dem Mittsommerfest in Finnland und Pühajärve jaanituli könnte nicht grösser sein. Hier ist nix mit Tradition. Es handelt sich um ein ziemlich konventionelles Festival an dem pro-forma noch ein Stapel Holz angezündet wird. Hier sind vor allem junge Leute und es geht hauptsächlich ums betrinken. Marc und ich amüsieren uns über die teils unsäglich betrunkenen Partygänger. Die Bands sind vorwiegend estnisch und wir verstehen kein Wort, den Leuten scheint es aber zu gefallen.

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Am nächsten Tag fahren wir dann weiter bis Riga. Kurz vor Riga gibt es ein riesen Stau: Die Polizei hat die ganze Autobahn gesperrt, jeder muss zum Alkoholtest. Die werden schon wissen wieso. Das ist bereits mein zweiter Alkoholtest in diesen Ferien.

Und hier noch ein Selfi vor Ortsschild, dieses mal ein Insider für Papi:

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2015.06.16 – 2015.06.20 Finnland

Die Finnen haben bei mir das Image von leicht zurückgebliebenen Waldbewohnern die gerne jagen, sich betrinken, sich prügeln um sich dann in der Sauna zu verbrüdern. Tatsache ist: Die Finnen haben die tiefste Analphabetenquote der Welt und gewinnen regelmässig die PISA Studie. Auch ist die Umsetzung der Gleichberechtigung sehr viel weiter fortgeschritten als in den meisten anderen westlichen Staaten. Von der Bauarbeiterin bis zur Ministerpräsidentin sind die Frauen überall (ausser in der finnischen Milizarmee, der Heldentod fürs Vaterland ist auch hier noch ein Männerprivileg).

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Um so erstaunlicher ist, wie schlecht English gesprochen wird. Der Kontrast zu Schweden, wo wirklich jeder ausgezeichnet English spricht, könnte nicht grösser sein. Evt liegt das an der exotischen Muttersprache der Finnen, welche überhaupt nicht zu verstehen ist. Das erschwert die Kontaktaufnahme, aber die Finnen scheinen ganz freundlich und neugierig zu sein.

Mit der Fähre komme ich in Vaasa an und fahre dann bis Merikarvia auf den ganz fantastischen Mericamping. Hier laufen schon die Vorbereitungen für das Mittsommerfest am Freitag. Leider soll es regnen.

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Am nächsten Morgen fahre ich in den Seitsemisen Nationalpark wo ich eine kleine Wanderung mache und dann am Abend am Feuer koche und dort übernachte. Ich komme zum ersten mal in Kontakt mit den gefürchteten Moskitos. Eine echte Plage.

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Am Tag drauf fahre ich nach Tampere wo ich mir das Arbeiterquartiermuseum anschaue. Die Arbeiterquartiere sind hier so erhalten geblieben wie sie waren zwischen ca 1850 und 1950. Der Wohlstandsgewinn ist offensichtlich, es hat aber doch eine ganze Generation gedauert. Mitte des 19then Jahrhunderts war das ein sehr hartes Leben. Aber immer noch besser als auf dem Land.

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Dann fahre ich weiter nach Rauma: Die erhaltene Holzstadt ist UNESCO Weltkulturerbe. Dafür könnten sie evt mal ein bisschen Farbe drauf schmieren…

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Übernachten tue ich auf irgend einem Camping. Alles Dauercamper. Mit Spontanaufenthalter rechnet hier offensichtlich niemand. Sie müssen erst per Telefon eine Bewohnerin aufbieten die dann ganz passabel Englisch spricht. Sie führt mich über den ganzen Camping und erklärt mir alles. Ganz nett. Ich soll doch bleiben: morgen ist Mittsommer, es gibt Musik und Tanz, und evt ein “bisschen” zu trinken. Aber ich muss leider weiter nach Helsinki. Ich muss ja am Samstag Mäge vom Flughafen abholen.

Mittsommer feiere ich dann auf Seurasaari, eine kleine Insel mitten in Helsinki. Auf der Insel befindet sich das Freilichtmuseum. Hier sind alte Häuser aus ganz Finnland ausgestellt. Genau wie in Ballenberg.

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Am Mittsommer wird hier jedes Jahr ein Fest organisiert. Es gibt Musik, Tanz und um 22 Uhr werden verschiedene Johannisfeuer entzündet. Das ganze ist ein schönes Fest aber ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Die Finnen scheinen auch beim Party machen zurückhaltend zu sein.

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Das Spannendste war noch das halb stündige Anstehen beim einzigen Essenstand. Es gibt todgekochter Fisch oder todgekochtes Fleisch zur Auswahl.

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Hier in Helsinki geht die Sonne wider unter und es wird sogar ein ziemlich dunkel. Das erste mal seit über einer Woche. Das Foto ist von 1 Uhr:

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Am Morgen habe ich noch Zeit mir kurz Helsinki anzuschauen. Die Innenstadt ist komplett ausgestorben. Nur vereinzelt torkeln ein paar Alkoholleichen durch die Strassen. Zombi-Apokalypse-Feeling puur.

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Am Mittag gehts dann an den Flughafen Mäge abholen und dann machen wir rüber, nach Tallinn mit der Fähre.

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Planänderung: Eigentlich wollte ich ja “obenrum” auf dem Landweg bis nach Helsinki fahren, aber ich mag nicht mehr durch unendliche Wälder tuckern. Also Plan B, das heisst ich nehme die Fähre von Umea nach Vaasa, das spart locker 1000 Km.

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Das bedeutet zwar ich werde die Mitternachtssonne nicht sehen, dafür kann ich ein paar Tage in Östersund relaxen und dann noch die hohe Küste besuchen.
Eine gute Entscheidung denn auf dem Camping in Östersund lerne ich einige wilde Leute kennen. Da ist der Österreicher der mit dem Motorrad von Stockholm über Trondheim nach Oslo fährt. Oder das deutsche Pärchen dass hier schon seit Wochen im Zelt schläft (es ist kalt!) und ihr Geld mit Naturaufnahmen die sie über Agenturen im Internet verticken verdienen. Oder Irma, die Schweizerin, die gerade einen Traum wahr gemacht hat und mit ihrem Golf am Nordkap war und jetzt langsam gegen Süden fährt. Ich finde das natürlich Weltklasse: just do it!
Den ersten Tag in Östersund hänge ich nur ein bisschen rum, schlafen, waschen, Quitschi durch checken. Läuft wie ein Uhrwerk, auch wenn nicht mehr alles ganz dicht ist, aber solange noch Öl rauskommt hats ja noch was drin… Ich besuche auch noch das Touristenbüro. Die sind immer super, hier spricht sogar jemand perfekt Deutsch. Ich habe mich auch ein bisschen mit den Schweden arrangiert: wenn man genug lange auf sie einquasselt tauen die meisten irgendwann auf. Zum Glück kann ich das so gut…

Am Freitag fahre ich nach Are. Im Winter eines der grössten Skigebiete in Schweden. Im Sommer kann man hier wandern.

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Jetzt ist noch nicht Sommer. Man warnt mich, dass es evt ein bisschen feucht sein könnte. Naja, seht selbst:

Da waren mir die Schneefelder dazwischen noch lieber. Allerdings hatte ich bei denen das Gefühl überall Bärenspuren zu sehen, denn es soll hier oben viele Braunbären geben.

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Am Samstag dann der eigentliche Grund warum  ich so lange in Östersund geblieben bin: Folkrace! Wenn  man übers Land fährt, sieht man immer wider Häuser mit vielen arg ramponierten Autos auf dem Vorplatz. Ich  habe gegoogled und herausgefunden, dass diese Autos für Folkrace  benutzt werden. Eine Rennklasse für das Folk: Jeder der ein Auto hat kann mitmachen. Das Auto muss nur wenige Auflagen erfüllen (Überrollkäfig). Da gehts ordentlich zur Sache:

Man kann jedes Auto das am Rennen teil nimmt kaufen, für ca. 1000 Franken. Der Besitzer muss verkaufen oder es droht die Disqualifikation. Die Regel soll sicher stellen, dass nicht zu viel in die Autos investiert wird und wirklich jeder mitmachen kann.

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Finde ich natürlich geil und ich würde sofort mitmachen wenn es das bei uns gebe. Leider sind Rundrennen in der Schweiz verboten, weil es vor 70 Jahren mal Tode gegeben hat. Irma und Christoph die ich vom Camping kenne begleiten mich.

Am Nachmittag fahre ich dann auf den Camping in Kornsjö.

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Die Perle wurde mir von dem Deutschen Fotografenpaar empfohlen. Die Strecke zwischen Östersund und Kornsjö ist definitiv die schönste Strecke die ich bis jetzt in Schweden gefahren bin, Wälder abgewechselt von traumhaft schönen Seen. Wie aus dem Touristenkatalog.

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Unterwegs schaue ich mir dann auch noch den Döda Fallet, den toten Wasserfall, an. Hier fand die grösste Naturkatastrophe Schwedens statt. Ein halbschlauer hat versucht den Fluss schiffbar zu machen indem er einen Kanal um den Wasserfall herum anlegte. Leider hat das etwas zu gut funktioniert: der neue Kanal hat den riesigen See oberhalb innerhalb von 4 Stunden geleert. Alles flussabwärts wurde natürlich weggespült. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten.

Der alte Fluss:

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Der neue Fluss:

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Was der arme Ingenieur wohl gedacht hatte als der Damm brach? Ups, das wird teuer.
Am nächsten Tag gehe ich wandern. Ich folge ein Stück dem 130 Km langen Wanderweg Högan Kuste durch den Skuleskogen Nationalpark. Der gesamte Küstenabschnitt ist UNESCO Weltkulturerbe. Das Land hier hat sich in den letzten 10000 Jahren um 200 Meter gehoben, also in geologischen Zeiträumen blitzschnell. Der Grund: Das Eis ist weg und der ganze Kontinent leichter geworden. Verrückt. Und so läuft man dann 200 Höhenmeter bergauf dem fantastischen Pfad entlang und befindet sich eigentlich immer an der Küstenlinie.
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Alle paar Kilometer hat es gemütliche Hütten wo die Högan Kusten Wanderer übernachten können. Ich treffe ein paar davon, sie tragen riesige Rucksäcke und sehen ziemlich fertig aus. Trotzdem, wäre eine Überlegung das mal zu machen.
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Zu Abend esse ich an einer Feuerstelle im Park und Campen tue ich wild.
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Am nächsten Tag fahre ich hoch nach Umea, denn dort muss ich am Dienstag Morgen die Fähre nehmen. Irma empfiehlt mir ein Hotel in einem ehemaligen Gefängnis und da ich noch meine Schwedischen Kronen verballern muss gibts heute ein Stern Hotel Luxus, fantastisch. Auch schwärmt sie vom besten Lachssushi der Welt in Umea. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen.
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Bis bald in Finnland!

Und hier noch ein Bild aus der beliebten Rubrik: Selfi vor komischen Ortsschildern. Heute: Å.
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2015.06.07 – 2015.06.10 Schweden

Schweden, wo soll ich anfangen? Evt. ganz am Schluss: Ich habe Mühe mit den Sweden. Das ist jetzt natürlich unfair, weil ich habe ja nicht alle 10 Millionen Schweden persönlich kennengelernt, und die die ich kennengelernt habe waren auch alle sehr nett. Trotzdem, irgendwas stimmt mit denen nicht. Aber vielleicht fange ich doch besser vorne an.
Von Kopenhagen fahre ich über die Oresundbrücke nach Malmö. Kein billiges Vergnügen übrigens. Malmö wurde mir mehrfach empfohlen. Ich campe auf dem first camping, der Name ist Program: Der erste camping nach der Brücke. Leider ein Stück ausserhalb. Ich laufe die knapp 8 km dem Strand entlang bis ins Zentrum. Es ist Samstag und der erste Sommertag. Die Leute sitzen in Grüppchen am Strand und in den sehr schönen Parks. Shiny Happy People. Die Stimmung ist relaxed und friedlich. Hier lässt es sich sicher gut leben, wenn man nicht auf action steht.
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Am Nächsten Tag fahre ich die Küste hoch bis Göteborg. Ich Weichei habe vom Marsch gestern Blattern an den Füssen und mag nicht mehr laufen. Zum Glück haben sie ein Fahrradverleihsystem, dasselbe wie in Paris. Ich schnapp mir eins und suche die Leute: es herscht absolut tote Hose. Vielleicht weil Sonntag ist?

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Ich esse was zu Abend, keinen Burger, und suche mir dann ein Platz ausserhalb um die Nacht zu verbringen.
Die Schweden haben das Jedermannsrecht (ja, mit zwei n). Es bedeutet, dass jeder das vorhandene Land nutzen darf, sogar dann wenn es in Privatbesitz ist. Die praktische Auslegung dieses Gesetzes ist dann natürlich etwas komplizierter. Für mich bedeutet es einfach, dass ich überall Campen darf, solange ich einen gewissen Anstandsabstand zum nächsten Haus wahre und selbstverständlich nichts kaputt mache oder störe. Und so finde ich dann tatsächlich ein perfektes Plätzchen direkt am Wasser.

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Am nächsten Tag fahre ich etwas planlos Richtung Norden bis ich Amal sehe. Fucking Amal! Ich muss ein Selfi für die Jungs machen.
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Als ich zurück beim Auto bin kommen zwei ziemlich stämmige Jungs auf mich zu:

  • What are you doing here? This is privat property.

Die Zwei sind starke Bauarbeiter und ziemlich sauer. Ich halte mich also zurück und erkläre ihnen nicht die Feinheiten des Jedermannsrecht.

  • I’m just programming my GPS. Stammle ich.
  • Where are you from? Europe! We don’t like europeans. Most of the europeans are thiefs. You understand?

Ich schwöre bei Gott, dass er das Wort für Wort gesagt hat! Jetzt werde ich ein bisschen sauer.

  • No, I don’t understand, most europeans are not thiefs, there might be some, but most are not. I’m not a thief. And I’m swiss.
  • Ah, swiss, ok, only polans and litauens are thiefs.

Ach so, dann ist ja gut! Die Stimmung dreht jetzt um 180 Grad. Sie überbieten sich gegenseitig mit Tipps wo ich überall hinfahren muss. Offensichtlich kennen sie jeden Tümpel im Umkreis von 1000 Kilometer. Der eine zückt ein 20 Kronen Schein und meint die Lady dort drauf sei in der Nähe geboren. Zwei Stunden nördlich, eine schöne Gegend, ich soll doch dort auf dem Camping übernachten. Was ich dann auch getan habe.

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Und die Moral von der Geschichte? Die Schweden sind sehr reich, das zieht Diebesbanden an. Ein Problem, genau wie in der Schweiz. In meiner ersten Nacht in Malmö wurde ich von 2 Typen geweckt die an den Wagen geklopft haben. Ich dachte es sei die Security. Aber an der Rezeption erklärte sie mir dann, dass das Diebe sind die leere Autos und Zelte ausräumen. Natürlich sehr ärgerlich. Trotzdem kann man sich so keinem Fremden gegenüber aufführen. Ich habe das Gefühl, und nicht nur wegen diesem etwas extremen Vorfall: die Schweden mögen keine Fremden, und keine Ausländer, und was sie schon gar nicht mögen sind ausländische Fremde.

Dem Jedermannsrecht zum Trotz fahre ich auf ein Camping. Ich fühle mich etwas einsam und auf den Campings ergibt sich oft die Gelegenheit für einen Schwatz und zum Austausch von Tipps. Und so wird mir empfohlen nach Rättvik und dann nach Öresund weiter zu fahren.

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Vor Rättvik befindet sich Falund, heute ein Kaff, aber vor nicht all zu langer Zeit die zweitgrösste Stadt Schwedens: Hier wurde früher 70% des europäischen Kupferbedarfs abgebaut. Die Gruben und Stollen sind heute eine Touristenattraktion. Beängstigend unter was für unmenschlichen Bedingungen hier gearbeitet wurde. Für die Krone, mit dem fast sicheren frühzeitigen Tod vor Augen.

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Ein Stück nach Rättvik kommt Ora, dort haben sie einen Bärenpark. Ebenfalls eine Törist Attraktiön. Das lasse ich mir selbstverständlich auch nicht entgehen.

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Viele, viele Bäume später komme ich in Öresund an, die letzte grössere Stadt vor dem weiten Nichts im Norden. Ich glaube ich habe die letzten paar Tage etwa eine billion Bäume gesehen und die nächsten 1000 Kilometer wird es genau so weiter gehen. Ich glaube ich brauche eine Planänderung…

2015.06.05 – 2015.06.06 Up North

Eigentlich wollte ich von Wolfsburg gleich bis nach Dänemark durchfahren. Aber in Nordfriesland sehe ich Sylt auf dem Navi auftauchen, und da hats ne Strasse rüber! Ausserdem ists natürlich UNESCO Weltkulturerbe. Naja, nicht Sylt, aber das Wattenmeer drum rum.

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Auf der Touristeninfo erklären sie mir dann, dass da keine Strasse ist, ich muss auf den Zug verladen. Ich glaub die halten mich für bescheuert, aber ich erkläre ihnen, dass ich halt aus einem Binnenland komme, worauf sie verständnisvoll nicken. Anyway, ich muss dort rüber, denn wenn die Ärzte darüber singen dann muss doch was dran sein:

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Auf Sylt, das grösser ist als ich gedacht habe, fahre ich bis zum Südzipfel, dort hats ein Camping. Vor dem Camping hats ne geschlossene Barriere. Ich drücke auf den Gegensprechknopf (den friesischen Dialekt müsst ihr euch denken)

  • Jaaaaa, wat denn?
  • Ich würde gerne die Nacht hier verbringen
  • Jaaaaa, und jeeezt?
  • Die Barriere ist zu.
  • Jaaa, wir haben ja schon zu
  • Es ist viertel nach sechs
  • Jaaa, ohne voranmeldung tut hier eigentlich gar nichts gehen
  • Ja, und jetzt?
  • Unverständliches Gemurmel ich nehme an auf platt also ich mach das Tor auf, fahr irgendwo hin.

Friesisch herb. Dafür war es dann gratis. Aber hey: Meer!

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Am nächsten Tag will ich durch Dänemark bis nach Malmö fahren. Aber irgendwas stimmt nicht. Ich fühle mich wahnsinnig müde und mein Magen rebelliert. Vermutlich fordert das Raststättenessen seinen Tribut.

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Unmittelbar vor der Storebælts Brücke halte ich und schlafe eine Stunde. Danach fühle ich mich wie erschlagen. Ich beschliesse nicht weiter zu fahren. Die dänischen Autobahnen sind zwar 100 mal angenehmer als die deutschen. Aber ich will mein Glück nicht herausfordern. Ausserdem erkenne ich, dass ich an einem ziemlich abgefahrenen Ort gelandet bin.

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Die Storebaelts Brücke wurde 1998 eröffnet. Sie ist das grösste Bauprojekt Dänemarks aller Zeiten und mit einer 1624 Meter langen Spannweite die 3 grösste Brücke der Welt. Vergleichbar wohl mit dem Bau der Neat für die Schweizer. Vor 1998 gab es ein Fährverbindung. Der Hafen liegt jetzt verlassen und zurückgebaut da. Ich laufe ein mal um das ehemalige Hafenbecken und zurück. Ein Paradis für Fischer und Surfer.

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Auf der kleine Wanderung entdecke ich ein abgelegenes ruhiges Plätzen wo ich die Nacht verbringe.

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Am nächsten Morgen geht es mir schon etwas besser und ich fahre die kurze Strecke bis Malmö. Unterbrochen nur von einem ganz klitzekleinen Museumsbesuch im Vikingerdorf.

Schweden. At last!

2015.06.01- 2015.06.04 Deutschland

Erkenntnis Nummer 1: Deutschland ist verdammt gross. Auf der Autobahn fahre ich stundenlang Richtung Norden und komme scheinbar doch nicht vorwärts. Erkenntnis Nummer 2: Deutsche Autobahnen sind absolut lebensgefährlich. Links fahren sie bei jedem Wetter 200, rechts fährt Lastwagen an Lastwagen und ich dazwischen. Wenn ich mehr als 2 Wagenlängen zum Lastwagen vor mir lasse überholt mich der Lastwagen von hinten! Ich habe keine 16 Räder und einen Bremsassistenten! Sie wollen Windschatten fahren um ein paar Liter Diesel zu sparen, und die sind mehr wert als mein Leben. Kranke Welt. Also runter von der Autobahn.

Das ist eh besser so. Denn nur Überland sieht man solch fantastische Dinge wie das Dürkheimer Riesenfass.

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Aber was sie tatsächlich tolles haben in Dürkheim ist ein gigantischer Gradierbau aus Holz welche durch Verdunstung aus 3%igem Salzwasser 12%iges macht. Darin kann man dann baden. Scheinbar beliebt und soll gesund sein. Allerdings nicht wenn man den entstandene Flüssigkeitsverlust mit Wein aus dem Riesenfass wider ausgleicht.

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Aber nach Dürkheime wollte ich gar nicht, sondern nach Rüdesheim am Rhein. Das ist der südöstliche Eingang zum Mittelrheintal, UNESCO Weltkulturerbe, selbstverständlich. Im  Dorf gibt eine seltsame Mischung: Ca 80% Rentner und 20% Rocker, denn am Wochenende findet eines der grössten Harleytreffen der Welt statt: 35000 Motorräder werden erwartet.

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Mir ist das Wurst (naja, die Harleyfahrer sind ganz nett und finden meine “Karre voll verschärft”). Ich laufe in der Abenddämmerung durch die Weinberge hoch zum Niederwalddenkmal Ganz wunderbar!

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Am nächsten Morgen fahre ich dem Rhein entlang, an der Lorelei vorbei, die engste Stelle des Rheins, bis nach Koblenz.

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Dort wage ich mich wider auf die Autobahn, ich gebe Quitschi die Sporen und mit 110(!!!) kann ich mich mehr oder weniger elegant zwischen den Lastwagen durchschlängeln. Das ist zwar anstrengend aber weniger gefährlich. Und dank den AT Reifen brauche ich rund 30% weniger Diesel als mit den MT, selbst bei diesen “Geschwindigkeiten”

Gegen 5 Uhr sehe ich Harz angeschrieben. Ich denke: Mmm, auch schon gehört. Also runter von der Autobahn und auf den best bewerteten Campingplatz: Kreuzeck bei Hahnenklee. Idyllisch an einem See gelegen, inmitten eines UNESCO Weltkulturerbe (selbstverständlich).

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Hahnenklee hat sogar ein Skigebiet. Naja, ein Hügel und ein, nein zwei, Sessellifte.
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Auf dem Zeltplatz erklärt mir jemand, dass das für die Norddeutschen ist, denn nach dem Harz “Gebirge” ist es nur noch flach. Und tatsächlich, am nächsten Tag fahre ich bis Wolfsburg und es wird immer flacher, unendliche Wälder (gesäumt von Liebesdienerinnen in Campern, hier campe ich besser nicht wild) ziehen an mir vorbei.

Aus Wolfsburg kommt VW, und dort gibt es die sogenannte Autostadt, mit 2.5 Millionen Besuchern pro Jahr das meist besuchte Werksmuseum der Welt. Und da ich ja ein Petrol Head bin kann ich da nicht vorbei fahren. Ehrlich gesagt: Enttäuschend. Das faszinierendste an den heutigen Autos ist meiner Meinung nach nicht das Auto sondern die Produktion. Die ist hi-tech. Das Auto an sich ist commodity.  Evt. wäre eine Werksführung die bessere Wahl gewesen. Nun ja, sie haben aber schon ein paar coole Karren rumstehen.

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Danach fahre ich auf einen Camping in der Lüneburger Heide, nicht mal Weltkulturerbe ist das. Ich werde trotzdem gut schlafen, denn neben all den Sehenswürdigkeiten habe ich noch 1100 Km gemacht, was anstrengend ist mit Quitschi.

Ah, ja, was man sich auch mal anschauen sollte: Celle, Wahnsinn:

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