Schweden, wo soll ich anfangen? Evt. ganz am Schluss: Ich habe Mühe mit den Sweden. Das ist jetzt natürlich unfair, weil ich habe ja nicht alle 10 Millionen Schweden persönlich kennengelernt, und die die ich kennengelernt habe waren auch alle sehr nett. Trotzdem, irgendwas stimmt mit denen nicht. Aber vielleicht fange ich doch besser vorne an.
Von Kopenhagen fahre ich über die Oresundbrücke nach Malmö. Kein billiges Vergnügen übrigens. Malmö wurde mir mehrfach empfohlen. Ich campe auf dem first camping, der Name ist Program: Der erste camping nach der Brücke. Leider ein Stück ausserhalb. Ich laufe die knapp 8 km dem Strand entlang bis ins Zentrum. Es ist Samstag und der erste Sommertag. Die Leute sitzen in Grüppchen am Strand und in den sehr schönen Parks. Shiny Happy People. Die Stimmung ist relaxed und friedlich. Hier lässt es sich sicher gut leben, wenn man nicht auf action steht.
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Am Nächsten Tag fahre ich die Küste hoch bis Göteborg. Ich Weichei habe vom Marsch gestern Blattern an den Füssen und mag nicht mehr laufen. Zum Glück haben sie ein Fahrradverleihsystem, dasselbe wie in Paris. Ich schnapp mir eins und suche die Leute: es herscht absolut tote Hose. Vielleicht weil Sonntag ist?

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Ich esse was zu Abend, keinen Burger, und suche mir dann ein Platz ausserhalb um die Nacht zu verbringen.
Die Schweden haben das Jedermannsrecht (ja, mit zwei n). Es bedeutet, dass jeder das vorhandene Land nutzen darf, sogar dann wenn es in Privatbesitz ist. Die praktische Auslegung dieses Gesetzes ist dann natürlich etwas komplizierter. Für mich bedeutet es einfach, dass ich überall Campen darf, solange ich einen gewissen Anstandsabstand zum nächsten Haus wahre und selbstverständlich nichts kaputt mache oder störe. Und so finde ich dann tatsächlich ein perfektes Plätzchen direkt am Wasser.

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Am nächsten Tag fahre ich etwas planlos Richtung Norden bis ich Amal sehe. Fucking Amal! Ich muss ein Selfi für die Jungs machen.
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Als ich zurück beim Auto bin kommen zwei ziemlich stämmige Jungs auf mich zu:

  • What are you doing here? This is privat property.

Die Zwei sind starke Bauarbeiter und ziemlich sauer. Ich halte mich also zurück und erkläre ihnen nicht die Feinheiten des Jedermannsrecht.

  • I’m just programming my GPS. Stammle ich.
  • Where are you from? Europe! We don’t like europeans. Most of the europeans are thiefs. You understand?

Ich schwöre bei Gott, dass er das Wort für Wort gesagt hat! Jetzt werde ich ein bisschen sauer.

  • No, I don’t understand, most europeans are not thiefs, there might be some, but most are not. I’m not a thief. And I’m swiss.
  • Ah, swiss, ok, only polans and litauens are thiefs.

Ach so, dann ist ja gut! Die Stimmung dreht jetzt um 180 Grad. Sie überbieten sich gegenseitig mit Tipps wo ich überall hinfahren muss. Offensichtlich kennen sie jeden Tümpel im Umkreis von 1000 Kilometer. Der eine zückt ein 20 Kronen Schein und meint die Lady dort drauf sei in der Nähe geboren. Zwei Stunden nördlich, eine schöne Gegend, ich soll doch dort auf dem Camping übernachten. Was ich dann auch getan habe.

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Und die Moral von der Geschichte? Die Schweden sind sehr reich, das zieht Diebesbanden an. Ein Problem, genau wie in der Schweiz. In meiner ersten Nacht in Malmö wurde ich von 2 Typen geweckt die an den Wagen geklopft haben. Ich dachte es sei die Security. Aber an der Rezeption erklärte sie mir dann, dass das Diebe sind die leere Autos und Zelte ausräumen. Natürlich sehr ärgerlich. Trotzdem kann man sich so keinem Fremden gegenüber aufführen. Ich habe das Gefühl, und nicht nur wegen diesem etwas extremen Vorfall: die Schweden mögen keine Fremden, und keine Ausländer, und was sie schon gar nicht mögen sind ausländische Fremde.

Dem Jedermannsrecht zum Trotz fahre ich auf ein Camping. Ich fühle mich etwas einsam und auf den Campings ergibt sich oft die Gelegenheit für einen Schwatz und zum Austausch von Tipps. Und so wird mir empfohlen nach Rättvik und dann nach Öresund weiter zu fahren.

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Vor Rättvik befindet sich Falund, heute ein Kaff, aber vor nicht all zu langer Zeit die zweitgrösste Stadt Schwedens: Hier wurde früher 70% des europäischen Kupferbedarfs abgebaut. Die Gruben und Stollen sind heute eine Touristenattraktion. Beängstigend unter was für unmenschlichen Bedingungen hier gearbeitet wurde. Für die Krone, mit dem fast sicheren frühzeitigen Tod vor Augen.

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Ein Stück nach Rättvik kommt Ora, dort haben sie einen Bärenpark. Ebenfalls eine Törist Attraktiön. Das lasse ich mir selbstverständlich auch nicht entgehen.

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Viele, viele Bäume später komme ich in Öresund an, die letzte grössere Stadt vor dem weiten Nichts im Norden. Ich glaube ich habe die letzten paar Tage etwa eine billion Bäume gesehen und die nächsten 1000 Kilometer wird es genau so weiter gehen. Ich glaube ich brauche eine Planänderung…

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