Planänderung: Eigentlich wollte ich ja “obenrum” auf dem Landweg bis nach Helsinki fahren, aber ich mag nicht mehr durch unendliche Wälder tuckern. Also Plan B, das heisst ich nehme die Fähre von Umea nach Vaasa, das spart locker 1000 Km.

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Das bedeutet zwar ich werde die Mitternachtssonne nicht sehen, dafür kann ich ein paar Tage in Östersund relaxen und dann noch die hohe Küste besuchen.
Eine gute Entscheidung denn auf dem Camping in Östersund lerne ich einige wilde Leute kennen. Da ist der Österreicher der mit dem Motorrad von Stockholm über Trondheim nach Oslo fährt. Oder das deutsche Pärchen dass hier schon seit Wochen im Zelt schläft (es ist kalt!) und ihr Geld mit Naturaufnahmen die sie über Agenturen im Internet verticken verdienen. Oder Irma, die Schweizerin, die gerade einen Traum wahr gemacht hat und mit ihrem Golf am Nordkap war und jetzt langsam gegen Süden fährt. Ich finde das natürlich Weltklasse: just do it!
Den ersten Tag in Östersund hänge ich nur ein bisschen rum, schlafen, waschen, Quitschi durch checken. Läuft wie ein Uhrwerk, auch wenn nicht mehr alles ganz dicht ist, aber solange noch Öl rauskommt hats ja noch was drin… Ich besuche auch noch das Touristenbüro. Die sind immer super, hier spricht sogar jemand perfekt Deutsch. Ich habe mich auch ein bisschen mit den Schweden arrangiert: wenn man genug lange auf sie einquasselt tauen die meisten irgendwann auf. Zum Glück kann ich das so gut…

Am Freitag fahre ich nach Are. Im Winter eines der grössten Skigebiete in Schweden. Im Sommer kann man hier wandern.

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Jetzt ist noch nicht Sommer. Man warnt mich, dass es evt ein bisschen feucht sein könnte. Naja, seht selbst:

Da waren mir die Schneefelder dazwischen noch lieber. Allerdings hatte ich bei denen das Gefühl überall Bärenspuren zu sehen, denn es soll hier oben viele Braunbären geben.

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Am Samstag dann der eigentliche Grund warum  ich so lange in Östersund geblieben bin: Folkrace! Wenn  man übers Land fährt, sieht man immer wider Häuser mit vielen arg ramponierten Autos auf dem Vorplatz. Ich  habe gegoogled und herausgefunden, dass diese Autos für Folkrace  benutzt werden. Eine Rennklasse für das Folk: Jeder der ein Auto hat kann mitmachen. Das Auto muss nur wenige Auflagen erfüllen (Überrollkäfig). Da gehts ordentlich zur Sache:

Man kann jedes Auto das am Rennen teil nimmt kaufen, für ca. 1000 Franken. Der Besitzer muss verkaufen oder es droht die Disqualifikation. Die Regel soll sicher stellen, dass nicht zu viel in die Autos investiert wird und wirklich jeder mitmachen kann.

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Finde ich natürlich geil und ich würde sofort mitmachen wenn es das bei uns gebe. Leider sind Rundrennen in der Schweiz verboten, weil es vor 70 Jahren mal Tode gegeben hat. Irma und Christoph die ich vom Camping kenne begleiten mich.

Am Nachmittag fahre ich dann auf den Camping in Kornsjö.

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Die Perle wurde mir von dem Deutschen Fotografenpaar empfohlen. Die Strecke zwischen Östersund und Kornsjö ist definitiv die schönste Strecke die ich bis jetzt in Schweden gefahren bin, Wälder abgewechselt von traumhaft schönen Seen. Wie aus dem Touristenkatalog.

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Unterwegs schaue ich mir dann auch noch den Döda Fallet, den toten Wasserfall, an. Hier fand die grösste Naturkatastrophe Schwedens statt. Ein halbschlauer hat versucht den Fluss schiffbar zu machen indem er einen Kanal um den Wasserfall herum anlegte. Leider hat das etwas zu gut funktioniert: der neue Kanal hat den riesigen See oberhalb innerhalb von 4 Stunden geleert. Alles flussabwärts wurde natürlich weggespült. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten.

Der alte Fluss:

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Der neue Fluss:

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Was der arme Ingenieur wohl gedacht hatte als der Damm brach? Ups, das wird teuer.
Am nächsten Tag gehe ich wandern. Ich folge ein Stück dem 130 Km langen Wanderweg Högan Kuste durch den Skuleskogen Nationalpark. Der gesamte Küstenabschnitt ist UNESCO Weltkulturerbe. Das Land hier hat sich in den letzten 10000 Jahren um 200 Meter gehoben, also in geologischen Zeiträumen blitzschnell. Der Grund: Das Eis ist weg und der ganze Kontinent leichter geworden. Verrückt. Und so läuft man dann 200 Höhenmeter bergauf dem fantastischen Pfad entlang und befindet sich eigentlich immer an der Küstenlinie.
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Alle paar Kilometer hat es gemütliche Hütten wo die Högan Kusten Wanderer übernachten können. Ich treffe ein paar davon, sie tragen riesige Rucksäcke und sehen ziemlich fertig aus. Trotzdem, wäre eine Überlegung das mal zu machen.
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Zu Abend esse ich an einer Feuerstelle im Park und Campen tue ich wild.
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Am nächsten Tag fahre ich hoch nach Umea, denn dort muss ich am Dienstag Morgen die Fähre nehmen. Irma empfiehlt mir ein Hotel in einem ehemaligen Gefängnis und da ich noch meine Schwedischen Kronen verballern muss gibts heute ein Stern Hotel Luxus, fantastisch. Auch schwärmt sie vom besten Lachssushi der Welt in Umea. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen.
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Bis bald in Finnland!

Und hier noch ein Bild aus der beliebten Rubrik: Selfi vor komischen Ortsschildern. Heute: Å.
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