Die Finnen haben bei mir das Image von leicht zurückgebliebenen Waldbewohnern die gerne jagen, sich betrinken, sich prügeln um sich dann in der Sauna zu verbrüdern. Tatsache ist: Die Finnen haben die tiefste Analphabetenquote der Welt und gewinnen regelmässig die PISA Studie. Auch ist die Umsetzung der Gleichberechtigung sehr viel weiter fortgeschritten als in den meisten anderen westlichen Staaten. Von der Bauarbeiterin bis zur Ministerpräsidentin sind die Frauen überall (ausser in der finnischen Milizarmee, der Heldentod fürs Vaterland ist auch hier noch ein Männerprivileg).

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Um so erstaunlicher ist, wie schlecht English gesprochen wird. Der Kontrast zu Schweden, wo wirklich jeder ausgezeichnet English spricht, könnte nicht grösser sein. Evt liegt das an der exotischen Muttersprache der Finnen, welche überhaupt nicht zu verstehen ist. Das erschwert die Kontaktaufnahme, aber die Finnen scheinen ganz freundlich und neugierig zu sein.

Mit der Fähre komme ich in Vaasa an und fahre dann bis Merikarvia auf den ganz fantastischen Mericamping. Hier laufen schon die Vorbereitungen für das Mittsommerfest am Freitag. Leider soll es regnen.

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Am nächsten Morgen fahre ich in den Seitsemisen Nationalpark wo ich eine kleine Wanderung mache und dann am Abend am Feuer koche und dort übernachte. Ich komme zum ersten mal in Kontakt mit den gefürchteten Moskitos. Eine echte Plage.

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Am Tag drauf fahre ich nach Tampere wo ich mir das Arbeiterquartiermuseum anschaue. Die Arbeiterquartiere sind hier so erhalten geblieben wie sie waren zwischen ca 1850 und 1950. Der Wohlstandsgewinn ist offensichtlich, es hat aber doch eine ganze Generation gedauert. Mitte des 19then Jahrhunderts war das ein sehr hartes Leben. Aber immer noch besser als auf dem Land.

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Dann fahre ich weiter nach Rauma: Die erhaltene Holzstadt ist UNESCO Weltkulturerbe. Dafür könnten sie evt mal ein bisschen Farbe drauf schmieren…

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Übernachten tue ich auf irgend einem Camping. Alles Dauercamper. Mit Spontanaufenthalter rechnet hier offensichtlich niemand. Sie müssen erst per Telefon eine Bewohnerin aufbieten die dann ganz passabel Englisch spricht. Sie führt mich über den ganzen Camping und erklärt mir alles. Ganz nett. Ich soll doch bleiben: morgen ist Mittsommer, es gibt Musik und Tanz, und evt ein “bisschen” zu trinken. Aber ich muss leider weiter nach Helsinki. Ich muss ja am Samstag Mäge vom Flughafen abholen.

Mittsommer feiere ich dann auf Seurasaari, eine kleine Insel mitten in Helsinki. Auf der Insel befindet sich das Freilichtmuseum. Hier sind alte Häuser aus ganz Finnland ausgestellt. Genau wie in Ballenberg.

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Am Mittsommer wird hier jedes Jahr ein Fest organisiert. Es gibt Musik, Tanz und um 22 Uhr werden verschiedene Johannisfeuer entzündet. Das ganze ist ein schönes Fest aber ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Die Finnen scheinen auch beim Party machen zurückhaltend zu sein.

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Das Spannendste war noch das halb stündige Anstehen beim einzigen Essenstand. Es gibt todgekochter Fisch oder todgekochtes Fleisch zur Auswahl.

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Hier in Helsinki geht die Sonne wider unter und es wird sogar ein ziemlich dunkel. Das erste mal seit über einer Woche. Das Foto ist von 1 Uhr:

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Am Morgen habe ich noch Zeit mir kurz Helsinki anzuschauen. Die Innenstadt ist komplett ausgestorben. Nur vereinzelt torkeln ein paar Alkoholleichen durch die Strassen. Zombi-Apokalypse-Feeling puur.

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Am Mittag gehts dann an den Flughafen Mäge abholen und dann machen wir rüber, nach Tallinn mit der Fähre.